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Vortrag von Dr. Jan Kühne

Es war eine große Freude, den Literaturwissenschaftler Dr. Jan Kühne (tätig unter anderem am Franz Rosenzweig Minerva Research Center der Hebräischen Universität Jerusalem) für einen Gastvortrag im Rahmen der Seminarphase der Beruflichen Oberschule Bad Tölz gewinnen zu können.

Dr. Kühne lebt und forscht seit zwanzig Jahren in Jerusalem. Er beschäftigt sich intensiv mit deutsch-jüdischer Literatur, Mehrsprachigkeit und Theatergeschichte.

Ein zentraler und innovativer Aspekt seiner Forschung ist die deutsch-hebräische homophone Übersetzung. Bei einer homophonen Übersetzung (auch Oberflächenübersetzung genannt) wird ein Text nicht primär nach seinem Sinn in eine andere Sprache übertragen, sondern nach seinem Klang. Man sucht in der Zielsprache nach Wörtern, die sich akustisch so ähnlich wie möglich wie die Ausgangssprache anhören, selbst wenn sich dadurch ein völlig neuer Sinn ergibt.

In seinen Arbeiten – insbesondere zu dem berühmten Lyriker Dan Pagis (einem Überlebenden der Schoa) – zeigt Dr. Kühne, wie diese Technik als literarisches Trauma- und Bewältigungswerkzeug genutzt wird.

Nach dem Vortrag nahm sich Dr. Kühne nahm sich mehr als eine Stunde Zeit um die vielen Fragen der Schüler zum Vortrag, seiner Forschungsarbeit, aber auch zu seiner Person und seiner Meinung zur aktuellen Situation in Nahen Osten ausführlich zu beantworten.

Führung zum Thema „Ausgrenzung und Verfolgung im Nationalsozialismus“

Am Freitag, den 28. November, tauchte das Seminar „Die Welt der Geheimdienste“ tief in die dunkle Geschichte der deutschen Überwachung ein. Ziel der Exkursion war das NS-Dokumentationszentrum in München.

Unter der fachkundigen Leitung unseres hervorragenden Guides Christof Zahner erlebten die Teilnehmer eine intensive, 120-minütige Führung zum Thema „Ausgrenzung und Verfolgung im Nationalsozialismus“. Dabei ging es nicht nur um die historische Einordnung der NS-Ideologie, sondern vor allem um die Mechanismen der sogenannten „Ausgrenzungsgesellschaft“ unter dem Hakenkreuz.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Verknüpfung zum aktuellen Seminarthema. Christof Zahner schlug gekonnt die Brücke zwischen der NS-Diktatur und der Welt der Nachrichtendienste. Es wurde deutlich, dass die NS-Zeit ein erschreckendes Paradebeispiel für einen totalen Überwachungsstaat darstellt, in dem die Regierung die Bevölkerung mit einer Fülle von Maßnahmen wie mit einem riesigen „orwellschen“ Auge beobachtete. Diese lückenlose Kontrolle diente nicht nur der Informationsbeschaffung, sondern zielte primär darauf ab, die Bürger systematisch einzuschüchtern und jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken.

Wir danken dem NS-Dokumentationszentrum und Herrn Zahner für diesen packenden und lehrreichen Vormittag!